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Licht im Kopf (Kurzgeschichte)

Heute will ich euch eine meiner Kurzgeschichten vorstellen, die ich irgendwann einmal geschrieben habe. Ich möchte nicht wirklich, dass sie auf meiner Festplatte herumgammelt, ohne gelesen worden zu sein. Denn jede Geschichte teil etwas mit oder will zu etwas anregen. Was teilt diese hier dir mit?
Viel Spaß bei:
 

Habt ihr schon einmal daran gedacht, jemanden umzubringen? Hat auch nur einer von euch da draußen jemals mit dem Gedanken gespielt, welche Folgen ein Mord haben könnte – für das Opfer, die Angehörigen – für sich selbst? Und wie stellt man es am besten an?

Ein schneller, gezielter Schuss ins Herz oder in den Kopf. Eine giftige Mixtur in die Tasse, aus der das Opfer jeden Morgen seinen Kaffee schlürft. Ein zufälliger Sturz gegen die Person, die man tot sehen möchte, während diese bedrohlich nahe am Rand des Bahnsteigs entlang marschiert.

Es gibt unzählig viele Möglichkeiten, eine ausgefallener als die andere. So manche Idee mag nach hinten losgehen, dafür sind andere umso besser. Nur keine Fehler machen! Niemand darf wissen, dass es geplant – dass es Mord war.

Ja, all diese Gedanken, Überlegungen sind so einfach. Man malt sich alles so schön aus in seinem Kopf. Zunächst nur ein Gedanke, basierend auf einem Gefühl wie Wut, Trauer, Demütigung oder einfach perverser Lust. Dann entwickelt es sich immer mehr zu einem Wunsch, drängt sich immer weiter in den Vordergrund. Es will gehört werden. Und lässt man es dann zu Wort kommen, so entwickelt sich diese Idee von der Größe eines Atoms rapide auf eine Länge, dass man es mehrmals um den Erdball wickeln könnte. Es drängt dich immer mehr, es lässt nicht los. Man kann an nichts Anderes denken.

Weitere Ideen und Gedanken scharen sich um das einmal so klein gewesene Fünkchen in deinem Kopf. Sie beten es an, beschwören es, so dass es wächst und sich an ihnen nährt. Ja, man beginnt, es genauer zu planen, weiter auszuklügeln. Der Mord soll perfekt werden. Keiner soll erfahren, wer es war und wie er oder sie es getan hat? Oder doch?! Manchmal ergibt sich der Verstand, lässt sich in das Meer der wachsenden Gedankenflut fallen und treibt ziellos dahin. Wahnsinn, nennen es viele. Leidenschaft, Hingabe für das Eine oder Perfektion der Sache nennt es der Teil, der nicht ernst genommen, nicht verstanden wird. Und wehe dem, der es wagt, die Ideen und Träume zu belachen und zu verspotten. Neue Wut erwacht, ein weiterer Dorn in der Wunde, sie reißt auf und brennt.

Dann ist es meist schon zu spät, um umzukehren. Entweder ist der Plan bereits so weit geschmiedet, dass er sofort in die Tat umgesetzt wird oder es ist längst geschehen. Und dann heißt es, einen neuen Plan zu entwickeln. Man wurde belacht, man muss sich gegen dieses Lachen zur Wehr setzen. Den grinsenden Gesichtern zeigen, wozu man fähig ist. Nämlich, um noch weiterzumachen. Keiner glaubt dir? Gut, denn dann vermutet auch keiner, dass du es tun könntest. Mord.

Eine kleine Silbe, die viel Ärger mit sich bringt – und auch den Verstand, den man irgendwo in der Flut der Euphorie verloren zu haben scheint. Erkenntnis. Erschrecken.

Was ist geschehen? Was habe ich getan?!

Zu spät. Keine Zeitmaschine, kein Zauber oder höhere Wissenschaft. Rückgängig machen? Es geht nicht, die Suppe muss ausgelöffelt werden. Aber vielleicht erwischen sie dich nicht! Sie, diese Kreaturen in ihren Uniformen, die selbst Waffen tragen und vielleicht auch schon einmal den Wunsch hatten, einfach abzudrücken und ihren Gegenüber zum Schweigen zu bringen. Aber sie sind beherrscht. Stark? Nein, sie hören nicht auf die Stimmen im Innern. Zu viel Stress, keine Zeit mehr für Träume und Ideen, mögen sie auch krankhaft und pervers in ihren Ohren klingen. Sie haben nicht das Recht, mich zu schnappen! Doch, ein Recht, das von uns geschaffen wurde. Wer hatte die Befugnis, ein solches Recht zu schaffen? Zu viel Philosophie, abgetan als ein Werk Gottes oder gesunden Menschenverstand. Nicht darüber nachdenken, so wie ich es tue. Einfach abdrücken. Ein Schuss, ein Stoß, ein Mischen von Pülverchen in den Tee ...

Und dann verblassen die Gedanken. Sie bemerken, dass du auf sie gehört hast, sie haben ihr Ziel erreicht. Jetzt müssen sie sich einen Neuen suchen. Jemanden, der sie noch nicht kennt oder sie noch nicht beachtet hatte. Sie lassen dich allein, deine Gedanken und tollen Pläne, und endlich hast du Zeit, alles zu verarbeiten. Neues Erschrecken und Panik vor der Verantwortung, der du dich jetzt stellen musst. Manche bereuen, manche nicht. Aber alle haben sie sich leiten lassen, in Wut, Hass, Trauer, Angst oder aus anderen Gründen.

Ja, Gründe ... ein Grund kann alle Last von dir nehmen. „Ich war nicht schuld, ich habe nur Befehle befolgt.“ „Ich bin krank, wusste nicht, was ich tat.“ „Oh ja, es hat Spaß gemacht und ich werde es wieder tun!“

Einige erkennen es zu spät oder gar nicht. Einige verlieren sich in dem Schrecken des Verstehens und folgen ihren Opfern, weil sie die Last nicht ertragen oder nur, um bei ihnen zu sein.

Keiner versteht, was sie denken, aber alle diskutieren darüber: Regierung, Prominente, Experten. Nur der, der es weiß, sagt es nicht. Vielleicht fragt man ihn auch nicht. Und wenn doch, vielleicht kann er es nicht sagen, denn manchmal scheinen die Gedanken und Gefühle den anfangs so logischen Grund mit sich zu reißen. Dann ist man allein, auch wenn viele womöglich noch an dich glauben. Allein und mit einem leeren Kopf.

Und dann klettert ein Gedanke, winziger als eine Bakterie aus der Tiefe in dein Gehirn. Zunächst tanzt er ein wenig herum, festigt sich schließlich, leuchtet. Er scheint der einzige Plan in deinem Innern zu sein. Und er sieht freundlich aus. Er lächelt.

Habt ihr schon einmal daran gedacht, euch umzubringen?

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Aktuelle Stimmung: nachdenklich

29.7.08 15:41
 



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